Argumente für das sitzen ohne Lehne

„Die längste Zeit des (wachen) Tages sind Kinder „unterwegs“ und motorisch tätig. Deshalb ist zuviel Möblierung im Gruppenraum im Wege. Die Kinder brauchen wenig Tische und Stühle (die von den gesetzlich vorgeschriebenen 3 m² pro Kind viel kostbaren Platz wegnehmen), eher „Rennstrecken“, Kletter- Schaukel- und Balanciermöglichkeiten und Platz für das Spiel am Boden. Statt der herkömmlichen Tisch- und Stuhlmöblierung für jedes Kind, haben sich kleine (stapelbare) Hocker (ohne Rückenlehne zur besseren Ausbildung ihrer Lendenmuskulatur für Kinder ab ca. 1,5 bis 3 Jahren) mit einer Sitzhöhe von 22 bis 26 cm als förderlich erwiesen. Die gesunde ganzheitliche Entwicklung von Skelett, Muskulatur, Kreislauf- und Atmungsorganen ist eng geknüpft an kindgerechte weitläufige Bewegungsmöglichkeiten, an Erprobungsfelder für körperliche Geschicklichkeit und an den Umgang mit eigenen Energien."

Quelle: Niedersächsisches Kultusministerium. Planungshilfe: Kinder im Alter unter 3 Jahren in Kindertagesstätten, Seite 14 und 15

 

„Krippenkinder benötigen keine Sitzgelegenheiten mit Rückenlehne, da sie von sich aus aufrecht sitzen. Stuhllehnen animieren zur „Lümmel-haltung“ und können sich rückenschädigend auswirken."

 Quelle: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Würtemmberg. KVJS Ratgeber. Ausstattung von Kleinkindeinrichtungen. Stand Januar 2013, Seite 7

 

Da Kinder im Kleinkindalter permanent ihre Muskulatur, Koordination und Motorik fördern, sollte das Mobiliar diese Bemühungen unterstützen. Dies kann etwa durch schiefe Ebenen, Treppen, Podeste, Wellentreppen, Wippen, Rutschen, Stufen, Mulden, stabile Hocker ohne Lehnen, Hängesitze oder Therapieschaukeln erreicht werden....„Da „sitzen auf Stühlen“ eher Erwachsenenverhalten darstellt, sollten wir Kindern die Möglichkeit bieten, in ihrer bevorzugten und entwicklungsfördernden Art den Großteil des Tages zu verbringen (ständig in Bewegung: liegend, krabbelnd, sitzend, stehend…)."

Quelle: Kommunalverband für Jugend und Soziales Baden-Würtemmberg. KVJS Ratgeber. Ausstattung von Kleinkindeinrichtungen.

Stand Januar 2013, Seite 12

 

Gutachten zur Erlangung des Qualitätssiegels „besonders entwicklungsfördernd“ der BAG für den Kinderhocker „robhoc“

 

 

Produktbeschreibung und Produktidee:

Der „robhoc“ von Jörg Bünger, Inhaber von aspekt schreinerarbeiten e. K., ist seinem Grunddesign nach ein mitwachsender, stapelbarer Kinderhocker. Durch funktionelle Details und entsprechendes Zubehör kann er darüber hinaus als vielseitiges Spiel- und Bewegungsgerät genutzt werden. Der Hocker ist aus naturbelassenem Birkensperrholz gefertigt. Zwischen zwei Seiten, werden mit Inbusschrauben zwei Sitzflächen und eine Zarge befestigt. Die Sitzhöhe kann durch die vorhandene Lochung auf 27, 31 und 35 cm verstellt werden, aufeinandergestellt dient er auch als Sitzgelegenheit für Erwachsene. Gestapelt kann der „robhoc“ platzsparend gelagert und binnen kurzer Zeit beiseite geräumt werden.

Die Produktidee „robhoc“ zielt auf Vielseitigkeit, d. h., dass die Hocker nicht nur als Sitzmöbel, sondern multifunktional genutzt und mit wenigen Zusatzmaterialien als Spiel- und Bewegungsgeräte eingesetzt werden können. Die Hocker mit ihrem speziell gestalteten Design und der Lochung können abwechslungsreich zu Treppen und Türmen zusammengesetzt werden, ermöglichen Kindern das selbständige Bauen und Konstruieren phantasievoller Kombinationen und lassen somit vielfältige und herausfordernde Bewegungsanlässe wie das Balancieren, Hochsteigen, Überwinden und Niederspringen entstehen. Durch Längsbalken verbunden können die Hocker zu unterschiedlich hohen Balancierstrecken werden. Eine Schräge kann als Rutsche eingehängt werden. Die Gestaltung einer Murmelbahn oder eines Gummitwists sind weitere Spielmöglichkeiten, zu denen der „robhoc“ verwendet werden kann. Es besteht die Möglichkeit Bilder, Pappwände oder Ähnliches zwischen die beiden Sitzflächen einzuklemmen.

 

Beurteilung von Intention, Spielwert und Anforderungsprofil:

Der „robhoc“ eignet sich durch seine flexible Verwendung als Spiel- und Bewegungselement in besonderer Weise für die Ausübung von motorischen Grundtätigkeiten wie Steigen, Klettern, Springen, Rutschen und Balancieren. Durch die unterschiedlichen Kombinationsmöglichkeiten der Hocker und Zusatzelemente können beispielsweise Höhe und Breite von Türmen, Treppen, Balancierebenen von den Kindern frei gewählt bzw. mit Unterstützung einer pädagogischen Kraft selbst gestaltet werden. Dadurch entstehen vielfältige Bewegungsanlässe mit differenzierten motorischen Anforderungen und Schwierigkeitsgraden. Insbesondere Kinder im Krippen und Kita-Alter finden hier viele psychomotorische Herausforderungen, in denen sie mit ihren unterschiedlichen Fähigkeiten differenzierte Erfahrungen sammeln können. Der variationsreiche Einsatz fördert darüber hinaus ihre Phantasie und Kreativität.  Eine Anforderung an die Wagnis- und Risikobereitschaft der Kinder stellt insbesondere die in ihrer Höhe variierbare Balancierstrecke, die gegebenenfalls zusätzlich mit einer Schräge bereichert werden kann. Spannende Bewegungslandschaften können so entstehen, die durch viele Kinder gleichzeitig erlebt werden können. Hierbei üben sie sich auch in ihren sozialen Fähigkeiten wie der gegenseitigen Rücksichtnahme während den Bewegungsausführungen oder der erforderlichen Absprache beim Aufbau der Elemente. Durch das gegenseitige Beobachten lernen die Kinder voneinander oder werden sogar ermutigt, sich auf neue motorische Herausforderungen einzulassen. Sie erfahren sich in besonderem Maße in ihrer Selbstwirksamkeit, erleben sich in ihren persönlichen Möglichkeiten und Grenzen. Je nach individueller Risikobereitschaft und Spiel-Interesse werden die „robhoc“ Elemente zusammengestellt. So können die Balancierwege im Krabbeln oder im Gehen bewältigt, auf der Schräge gerutscht oder mit Spielzeugautos gefahren werden. Es kann von einem oder von drei Hockern gesprungen oder aber der „robhoc“ zu Puppentheater oder Kaufladentheke umfunktioniert werden. Kognitive Fähigkeiten, wie das Planen und Organisieren der Baukonstruktionen, sowie gruppendynamische Handlungen zu antizipieren, abzusprechen und umzusetzen, werden im Umgang mit dem „robhoc“ geschult. Die Hocker laden durch ihre spezielle Konstruktion und den sich dadurch intendierten Kombinationsmöglichkeiten nicht nur zu vielseitigen Bewegungsmöglichkeiten ein, sondern lassen bei Kindern auch viele phantasievolle Spiellösungen zu. Bewegungsmuster und Spieloptionen sind nicht vorgegeben, sondern können von den Kindern selbst gestaltet und variiert werden.

 

Beurteilung von Gestaltung, Handhabung, Sicherheit:

Der „robhoc“ kann aufgrund seines geringen Gewichtes von Kindern getragen, gehoben und gestapelt werden. Schon die Kleinsten können ihn schieben, ziehen und drehen. Dennoch ist er stabil und robust. Die Verbindungen durch Inbusschrauben garantieren zudem eine Langlebigkeit des Produkts gerade im Vergleich mit geleimten Hockern. Die Kanten sind abgerundet und erfüllen alle erforderlichen Sicherheitsvorschriften. Aufeinandergestellte Hocker ermöglichen ein sicheres Hochsteigen und Abspringen. Die Stabilität kann durch die Verspannung von Spanngurten noch erhöht werden. Der „robhoc“ punktet durch seine naturbelassene Optik. Er ist zerlegbar und  flexibel umzubauen. Der „robhoc“ ist nicht nur ein Hocker, sondern er ist wie oben beschrieben multifunktional einsetzbar.

 

Anwendungsbereich:

Der „robhoc“ ist für Kinder ab 1 Jahr als Spielgerät und Sitzgelegenheit, sowie für Jugendliche und Erwachsene als Sitzmöglichkeit geeignet. Er ist zu Hause und in Kindertagesstätten im Gruppenraum und Bewegungsraum als Multifunktionsprodukt einsetzbar.

 

Fazit:

Der „robhoc“ von Jörg Bünger erfüllt die Kriterien des Qualitätssiegels „besonders entwicklungsfördernd“ in besonderem Maße.

 

 

BAG, Wiesbaden 3.6.2016

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