Kölner Stadtanzeiger

Kölner Stadtanzeiger vom 19. November 2015. Von Uta Böker.

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ERFINDUNG IN BERGISCH GLADBACH

Der Robhoc spielt auch gerne mit

Für die Kita Robin Hood in Lückerath hat Jürg Bünger ein innovatives Spielzeug erfunden: den „Robhoc“. Dieser vielfältige Hocker lässt sich auf die unterschiedlichsten Weisen zusammensetzen und nutzen.  Von Uta Böker

 

Bergisch Gladbach. 

Ein Hocker ist ein Hocker. Sollte man denken. Vier Holzbeine und eine Sitzfläche. Fertig ist das schlichteste aller Möbel. Doch damit wollte sich der integrative Kindergarten Robin Hood in Lückerath nicht zufrieden geben. Jörg Bünger, Vater von zwei Kindern in der Einrichtung und Inhaber einer Möbelschreinerei, hat sich Gedanken gemacht und einen vielseitigen Kinderstuhl erfunden, der keine Wünsche offen lässt: Einen Hocker für alle Fälle.

 

Denn Büngers kleiner leichter Holzquader ist nicht nur ein mobiler Sitz. Er eignet sich ebenso zum Türme stapeln, Treppen bauen und wächst über sich hinaus, weil er höhenverstellbar ist. Der Hocker kann auch als Beistelltisch oder eine Art Trittleiter verwendet werden. Aufeinander gestellt dient das multitalentierte Möbelstück schließlich genauso als Sitzgelegenheit für Erwachsene. Vorbei die Zeiten, wo sich Eltern bei Kindergarten-Versammlungen krumm auf einem 30 Zentimeter niedrigen Stuhl kauern mussten.

 

„Eine geniale Erfindung“, sagt Stephan Vogt begeistert über die neuen Kindergartenmöbel. Das alte Mobiliar, erzählt der Leiter der Kindertagesstätte, 25 Jahre alte sperrige Holzstühlchen, war buchstäblich aus dem Leim gegangen. Ersatz musste angeschafft werden. Im Vorstand war man sich über zwei Bedingungen einig: Aus gutem Material und stapelbar sollten die neuen Sitzmöbel sein: „Wir wollten die Räume nicht ständig mit Stühlen und Tischen vollgestellt haben, sondern sie platzsparend auch stapeln können“, erzählt Nadine Breuer-Kutsukis vom Vorstand der Elterninitiative.

 

Doch die Recherche nach einem solchen Kindermöbel verlief ergebnislos. „Hocker gibt es viele“, hat Möbelschreiner Bünger festgestellt – aber nicht so, dass sie eine Kombination mehrerer Nutzungen zulassen. Das hat seinen Erfindergeist geweckt: „Da muss doch was zu machen sein.“ Als er einmal angefangen hatte mit dem Tüfteln, sind dem Schreiner immer mehr Ideen gekommen.

 

Das eigentliche Bauprinzip ist simpel: Die Seitenbretter und Sitzflächen aus Birkensperrholz sind mit Inbusschrauben miteinander verbunden. Die Sitzflächen, zwei auf 26, 30 oder 34 Zentimeter höhenverstellbare Bretter, halten die Flanken zusammen und sorgen für Stabilität.

 

Noch kein Patent

Büngers Kinder, Oskar (4) und Linda (2), zeigten im Lückerather Kindergarten, was man mit den Stühlchen noch alles anfangen kann, außer drauf zu sitzen: Die Hockertürme mit einem Querbalken verbunden ergeben einen Schwebebalken zum Balancieren. Oskar kommt schon mühelos, ohne dass er festgehalten werden muss, rüber auf die andere Seite. Schwester Linda führt lieber ihr Stoffeselchen über den schmalen Balken.

 

Ein Seil durch die kleinen Löcher geführt – so wird der Hocker zum Gummitwist-Halter. „Neulich haben die Kinder aus den Sitzen eine Burg mit Türmen gebaut“, erzählt Vogt. Roboterhocker, kurz „Robhoc“, hat Bünger seine Erfindung getauft: „Der Name fiel mir ein, da mich der Entwurf an kleine Roboter erinnerte, die adhoc zu stapeln sind.“

 

Außerdem passe der Name gut zum Namen der Elterninitiative Robin Hood. Ein Patent hat Bünger nicht angemeldet. Er lässt seinen Hocker einfach Hocker sein: „Der Papierkram ist viel zu zeitraubend.“ Das Schutzrecht im Falle einer Kopie rechtlich durchzusetzen, sei ebenfalls aufwendig und teuer.

 

Um das Mobiliar zu finanzieren, sind Patenschaften vergeben worden – ein Hocker für 60 Euro. „Eltern, Oma, Omas, Onkel, Tanten. Das war ein Selbstläufer“, erzählt Vogt. 42 Sitzgeräte sind auf diese Weise zusammengekommen, damit alle Kinder Platz nehmen können, sollen es 50 werden. Zum Dank erhalten die Spender kleine Plaketten, auf Wunsch mit Namen, die demnächst auf die Stühle geklebt werden sollen bei einer Hocker-Dankeschön-Party – inklusive Probesitzen.

VR Bank eG Bergisch Gladbach

Danke an die VR Bank eG in Bergisch Gladbach für die Patenschaft für mehrere Robhocs der Kita Robin Hood in Bergisch Gladbach.